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Das Yoga Sutra nach Patanjali als Grundlage im Yoga

Wenn von "Yoga" gesprochen wird, werden häufig die Asanas (Körperübungen) gemeint, oder Yoga wird als Sport betrachtet. Das kann natürlich auch so bleiben, jeder sucht sich seine für sich passenden Wege. 

Dennoch ist Yoga weit mehr als Sport.

 

Insgesamt handelt es sich um eine mehr als dreitausendjährige Tradition.

 

 

Eine kurze Einführung zur Geschichte und Philosophie, um einzusortieren, wo wir uns bewegen:

 

Insgesamt ist Yoga eine mehr als 3500 Jahre alte Lehre, die sich mit der Funktion des Geistes und der Struktur des Körpers befasst. 

Als Begriff umfasst "Yoga" zwei Bedeutungen:

zum einen handelt es sich um den Zustand des Geistes, als Ziel soll dieser ruhig sein, zum anderen versteht man unter "Yoga" auch Disziplinen, um eben diesen Zustand, den ruhigen Geist, zu erreichen. Hierzu unterstützen Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemübungen) und Meditation.

Erforscht wurden körperliche und geistige Konditionierungen, Gedankenmuster und Wahrnehmungen, die uns daran hintern, bewusst, klar und reflektiert zu handeln. 

Auch hierzu gibt Yoga Hilfestellungen, um positive Effekte und den Weg nach innen zu erfahren. 

 

In der Geschichte und Philosophie gibt es drei große Traditionslinien:

 

1. den reiligiös geprägten Yoga mit den Grundlagentexten Upanishaden (ca. 800 v. Chr.) sowie die Bhagavadgita (im Mahabharata)und das Ramayana, welche den Nationalepos bilden 

 

2. den klassisch-philosophischen Yoga - hier erlangen die Yoga Sutras (als Leitfaden) und der achtgliedrige Pfad nach Patanjali eine Bedeutung (200 - 300 n. Chr.). Dieser Weg wird auch als "Raja-Yoga" bezeichnet (Königsweg).

 

3. den Hatha Yoga - mit dem Grundlagentext der (Hatha) Yoga Pradikpika (800 - 1200 n. Chr.). In der Pradipika kommen erstmalig Körperübungen auf, um überhaupt den Körper in einen ruhigen Zustand bringen zu können. 

 

Diese drei sind die zentralen Konzepte der yogischen Weltanschauung. 

 

 

Patanjali hat mit seinem "Achtgliedrigen Pfad" ein tiefgreifendes Konzept entwickelt, das uns Menschen auf allen unseren Ebenen - Körper, Geist und Seele - anspricht.  

 

Diese acht Stufen lauten wie folgt:

 

1. Vom Umgang mit der Welt (Yama): Handeln in der äußeren Welt

2. Vom Umgang mit sich selbst (Nyama): unser Handeln, uns selbst betreffend

3. Körperhaltungen (Asanas)   (Anm.: bislang lediglich der Meditationssitz, die weiteren Asanas folgten dann in der Pradipika)

4. Die Regulierung des Atems (Pranayama)

5. Das Zurückziehen der Sinne (Pratyahara)

6. Konzentration (Dharana)

7. Meditation (Dhyana)

8. Das völlige Verschmelzen (Samadhi)

 

(Details folgen)

 

 

Neben Asanas, Pranayama (Atemübungen) und Meditationstechniken eignet sich das Yogasutra für unsere persönliche Entwicklung auf jeder dieser Ebenen. Es kann eigene Erfahrungen vertiefen, einen bewussten Rahmen geben und auch neue Perspektiven schaffen. 

 

Das Yoga Sutra zeigt Yoga als einen komplexen Übungsweg, nennt Ziele des Weges als auch möglicherweise auftretende Schwierigkeiten und deren Überwindung. 

Es ist eine Quelle tiefer, über Jahrhunderte erprobte Weisheit und besteht aus 195 Versen. Es kann als ein Leitfaden im Yoga betrachtet werden. Die Verse sind sehr kurz, ursprünglich auf Sanskrit verfasst und - wie häufig bei alten Texten - ist wenig Sicheres über die Entstehung und auch den Verfasser, den Gelehrten Patanjali, bekannt. 

Mittlerweile ist man sich ziemlich sicher, dass der Text circa zweitausend Jahre alt ist.

 

Im Mittelpunkt des Sutras steht der Geist des Menschen, seine Funktionsweise, sein Einfluß auf unser Leben, seine Begrenzungen und auch seine Möglichkeiten. Die Verse beschreiben kurz, präzise und logisch den Entwicklungsweg unseres Bewusstseins (Yoga) "Yoga" ist hierbei Ziel und Weg gleichermaßen. Als Ziel steht Yoga für den Zustand unseres Selbst, der Selbstverwirklichung, als Weg beschreibt Yoga die vielfältigen Möglichkeiten, dorthin zu gelangen.  [und das ist, was mich u. a. sehr an Yoga fasziniert, die persönliche Entwicklung, das persönliche Sein, was ich gerne in meiner Arbeit weitergebe und teile und vor allem auch im Yoga Coaching einbringe]

Herausforderungen, mit den Anforderungen und der Hektik im Alltag umzugehen, Freiheit und Frieden zu finden, Muster sowohl im Denken als auch im Handeln,  zu erkennen, Begrenzungen, die wir uns selbst auferlegen, Blockaden geistiger, körperlicher und/oder seelischer Natur zunächst einmal überhaupt zu erkennen und im zweiten Schritt zu überwinden. Ressourcen, die schon in uns sind, zu erkennen und zu nutzen.   

 

Die verschiedenen modernen Yoga-Stile wie Sivananda, integraler Yoga, Iyengar, Kundalini, Power Yoga, Vinyasa Yoga, Bikram Yoga, Power YogaYin Yoga u. a. haben ihren Ursprung im Hatha Yoga. 

 

 

Quellen:

T. K. V. Desikachar      Über Freiheit und Meditation - Das Yoga Sutra des Patanjali

Ralph Skuban              Patanjalis Yogasutra 

Anna Trökes                Das große Yoga Buch

Inge Schöps                Yoga